für die 55. internationale jazzwoche burghausen steht das programm fest und verspricht musikalische höhepunkte! anlässlich der kleinen jubiläumsausgabe präsentiert die ig jazz burghausen eine woche voller unterschiedlichster konzerterlebnisse, von internationalen größen bis vielversprechenden neuentdeckungen.
nach dem traditionellen preisträgerkonzert des 16th european young artists’ jazz award eröffnet die mike stern band feat. leni stern, gabor bolla, noam tanzer & juan chiavassa die hauptkonzerte in der wackerhalle. zu den weiteren höhepunkten zählt auch der renommierte deutsche schlagzeuger wolfgang haffner. mit seiner all star celebration feiert er sein 50. bühnenjubiläum und lädt dazu nicht nur seine langjährigen musikalischen weggefährten simon oslender und thomas stieger ein, sondern auch sängerin viktoria tolstoy, posaunist nils landgren und dj shantel.
ebenfalls dabei ist der trompeter theo croker, der sein projekt zum miles davis centennial blue moods: miles in the golden hour vorstellt. für eine ordentliche portion musikalische energie sorgt der mehrfache grammy-gewinner cory henry mit seinen the funk apostles sowie das experimentierfreudige kollektiv sonic interventions, das in in diesem jahr mit dem deutschen jazzpreis als newcomer des jahres ausgezeichnet wurde. liebhaber avantgardistischer klänge kommen beispielsweise mit dem duo stian westerhus & maja s. k. ratkje im denkmalgeschützten ankersaal im zentrum der burghauser altstadt auf ihre kosten.
vollständiges programm: https://www.b-jazz.com/
ómar guðjónsson [pedal steel guit, comp]
magnús jóhann regnarsson / tómas jónsson [p]
tommy baldu / magnús trygvason elíassen [dr]
v.ö.: 27. februar 2026
yellowbird/enja /edel
der isländische komponist und multi-instrumentalist ómar guðjónsson (adhd, lón, roforofo) gehört seit über zwei jahrzehnten zu den prägenden stimmen der nordischen musikszene. mit „210“ – benannt nach der postleitzahl seiner heimatstadt garðabær – veröffentlicht er im februar 2026 sein zweites album mit der pedal steel guitar und zugleich sein sechstes soloalbum. guðjónsson steht dabei an der spitze von zwei trios: tommy baldu und tómas jónsson auf der einen, magnús trygvason elíassen und magnús jóhann ragnarsson auf der anderen seite. zwischen diesen klangwelten entfaltet sich guðjónssons pedal steel als erzählende, verbindende stimme. „210“ ist eine atmosphärische reise über heimat, veränderung und klang – ruhig, tief und von zeitloser schönheit.
shabnam parvaresh [b-cl, fx]
ula martyn-ellis [e-guit]
philipp buck [dr]
v.ö.: 30. januar 2026
unit / membran
wie klingt eine welt im umbruch? diese frage stellt sich bandleaderin shabnam parvaresh mit ihrem sheen trio auf „transitory“: während in parvareshs heimat iran proteste auflodern und menschen um freiheit kämpfen, geraten weltweit demokratien und gesellschaftliche ordnungen ins wanken. im titeltrack „transitory“ reiben sich dissonante harmonien an unerwarteten momenten von lyrik; wechselnde rhythmen lösen sich in stille auf, nur um plötzlich wieder aufzubrechen. diese kontraste rufen bilder von instabilität und verwandlung hervor und spiegeln das fragile gleichgewicht zwischen chaos und ruhe. in „marrogia“ erinnert sich parvaresh in einem nebelverhangenen tal an die heimat ihres großvaters in den bergen des iran und hält einen seltenen moment der stille fest. das album schafft mit großer erzählerischer kraft eine sammlung von klanglandschaften, die sowohl die unsicherheit unserer zeit als auch die darin verborgene schönheit widerspiegeln. bekannt für ihren abenteuerlustigen zugang zum jazz überschreitet das sheen trio dabei die grenzen der genres und verwebt feinsinnige improvisationen mit komplexen rhythmen und riffs zu einem einzigartigen sound…
kleine schwester, große töne: „3 tage jazz saalfelden leogang“ eröffnet das musikalische jahr 2026
3 tage jazz saalfelden leogang verwandelt die bergregion vom 23. bis 25. januar 2026 erneut in einen ort für zeitgenössische klangabenteuer. die winterausgabe des renommierten festivals präsentiert an sorgfältig ausgewählten spielstätten eine dichte folge musikalischer entdeckungen – von intimen duo-momenten bis zu experimentellen klangreisen.
der auftakt erfolgt bereits am 22. januar mit einem kostenlosen filmabend im kunsthaus nexus. an den folgenden tagen spannt das programm einen weiten bogen: lyrischer kammerjazz in der saalfeldener stadtpfarrkirche, elektroakustische soundwelten im kunsthaus, jubilierende orchesterklänge, tanzbare nachmittagskonzerte am berg, internationale trio-formationen und die atmosphärische intensität der isländischen band adhd.
der sonntag im bergbau- und gotikmuseum leogang setzt einen feinsinnigen schlussakkord – mit improvisierter klangpoesie und dem farbenreichen solo von jelena popržan, das jazz, world und neue musik auf originelle weise verbindet.
als green event salzburg steht das festival zudem für nachhaltige organisation und regionale verankerung.
vollständiges programm: https://www.jazzsaalfelden.com/de
internationales jazzfestival sparks & visions – ein junges festival mit strahlkraft
das internationale jazzfestival sparks & visions hat sich in kurzer zeit als fester bestandteil der europäischen festivallandschaft etabliert. gegründet vor drei jahren von anastasia wolkenstein, verbindet das festival in regensburg ein programm von besonderer künstlerischer qualität mit einer einzigartigen atmosphäre im klassizistischen dreirangtheater der weltkulturerbestadt.
was als mutiges experiment begann, hat sich zu einer plattform entwickelt, die renommierte musiker:innen ebenso anzieht wie neue, spannende stimmen des jazz. sparks & visions steht für entdeckungen jenseits des mainstreams und für eine kuratorische handschrift, die inspiriert und überrascht. das programm spannt einen bogen von poetischer kammermusik über folkloristische klangfarben bis zu energetischen avantgarde-klängen und weitet den blick auf die vielfalt der musik, die man jazz nennt.
bereits die erste ausgabe wurde für den deutschen jazzpreis in der kategorie festival des jahres nominiert – ein frühes zeichen für die strahlkraft des formats. seit der premiere begleitet der bayerische rundfunk das festival und zeichnet auch 2026 alle konzerte auf, die zu einem späteren zeitpunkt auf br-klassik gesendet werden.
einen wesentlichen teil seiner wirkung entfaltet sparks & visions durch den spielort: das historische theater regensburg, mit seiner hufeisenförmigen architektur und hervorragenden akustik, schafft jene nähe zwischen musiker:innen und publikum, die jedes konzert zu einem intensiven erlebnis werden lässt.
vollständiges programm: https://sparks-and-visions.com/
ulysse loup [b, comp, & direction]
damaris brendle [voc]
ludmilla mercier [fl & voc]
mireia martin [sax]
paul butscher [tp]
pere molines [tb]
anna kalk [guit]
benjamin jaton [b]
flo hufschmid [dr]
damien kuntz [dr & perc]
v.ö.: 21. november 2025
unit / membran
«les amarres tombent» (die leinen fallen) – so beginnt das album und markiert den aufbruch zu einer transatlantischen segelreise, begleitet von rimbaud und kindheitserinnerungen. komponist und bassist ulysse loup hat ein großes ensemble von zehn musiker:innen versammelt, um arthur rimbauds gedicht le bateau ivre (das
trunkene schiff) zu vertonen. zwei schlagzeuger, zwei bassisten, eine gitarre, vier bläser und eine sängerin führen das publikum durch wellen, gischt und wind. durch die verschmelzung von vom meer inspirierten klangtexturen, verschachtelten rhythmen, langen melodien und improvisationen verbindet das große ensemble zeitgenössischen jazz mit surrealistischen texten. bei konzerten hängen alte segel um die musiker:innen, während ventilatoren und lichtspiele die illusion einer maritimen atmosphäre erzeugen. als leidenschaftlicher segler hat ulysse den atlantik bereits dreimal unter segeln überquert. nach seinem ersten trio-album apilaptok, das eine expedition nach grönland beschreibt, entstand der wunsch, die mythische transatlantiküberquerung musikalisch umzusetzen.
nuejazz festival 2025 – ausgezeichnet, innovativ, genreübergreifend
vom 17. oktober bis 04. november wird nürnberg erneut zum pulsierenden zentrum des zeitgenössischen jazz: das nuejazz festival verwandelt die stadt in einen lebendigen treffpunkt für stilistisch offenen, innovativen und hochkarätigen jazz. mit seinem genreübergreifenden programm, seinem künstlerischen anspruch und seiner besonderen atmosphäre zählt nuejazz zu den herausragendsten festivals in deutschland – ausgezeichnet mit dem deutschen jazzpreis 2024 als „festival des jahres“, einer der wichtigsten ehrungen der deutschen jazzszene…
louise knobil [bass, voc, lyrics, comp]
chloé marsigny [b-cl, fx]
vincent andreae [dr
v.ö.: 20. oktober 2025
unit / membran
die kontrabassistin, sängerin und komponistin knobil (louise knobil) lädt sie ein, in ihr universum einzutauchen, in dem jazz, punk, glitzer und französisches chanson mit einer prickelnden und gewagten energie verschmelzen.
inspiriert von symbolfiguren wie esperanza spalding, charles mingus und boris vian, verwandelt dieser aufstrebende stern des schweizer jazz sein tagebuch in ein neuartiges musikalisches abenteuer. polyamorie, chronische schlaflosigkeit und pesto-rezepte finden sich in seinen kompositionen, die gleichzeitig persönlich und universell sind.
ihre frechen melodien, in denen sich kontrabass und stimme vermischen, gewinnen dank des talents seiner treuen ‚knodisciples‘ an intensität: chloé marsigny an der bassklarinette und den effekten und vincent andreae am schlagzeug.
nach mehr als 100 konzerten in ganz europa sowie der veröffentlichung der beiden eps „or not knobil“ (2023) und „knobisous“ (2024) geht knobil das wagnis ein, am 4. april 2025 ein live-album mit ihrem trio vor 1.200 zuschauern auf der großen bühne des renommierten cully jazz festivals aufzunehmen…
joanna duda [p]
maksymilian mucha [b]
michał bryndal [dr]
v.ö.: 10. oktober 2025
byrd out / k7
seit seiner gründung 2017 durch die pianistin und klangtüftlerin joanna duda versteht sich das trio als labor für das unvorhersehbare. gemeinsam mit maksymilian mucha (kontrabass) und michał bryndal (schlagzeug) lotet sie das jazztrio nicht als feste form, sondern als bewegliches system aus – durchlässig für elektronik, improvisation und kompositorisches raffinement. effekte, sampler und sequenzer erweitern den akustischen raum und machen klang zum zentralen ausdrucksmittel. das joanna duda trio ist längst eine feste größe auf internationalen bühnen – zu hören bei festivals wie dem berliner jazzfest, der cologne jazzweek, jazztopad oder den leipziger jazztagen, und in clubs wie porgy & bess (wien), ronnie scott’s (london) oder dizzy’s club (new york)…
ariel bart [harmonica, comp, prod]
talia erdal [cel]
arseny rykow [p]
v.ö.: 19. september 2025
d’autre distribution
mit «after silence» veröffentlicht die israelische komponistin und mundharmonikaspielerin ariel bart ihr drittes studioalbum – und zugleich das debütalbum ihres neuen ensembles, des ariel bart trios. In einer außergewöhnlichen besetzung aus mundharmonika, cello und klavier erschafft das trio einen ganz eigenen klangkosmos: intim, poetisch und voller emotionaler tiefe.
diese ungewöhnliche instrumentierung ist weit mehr als ein klangliches experiment – sie ist ein bewusst gewählter rahmen für musikalische erzählungen, die sich jenseits konventioneller jazzformate entfalten. die mundharmonika, in barts händen voller ausdruckskraft, bildet das klangliche zentrum. sie trifft auf das erdige, resonante cello und das nuancenreiche, mal kraftvolle, mal zerbrechliche klavierspiel. gemeinsam entstehen komplexe emotionale landschaften, die sich zwischen improvisation, klassischer struktur und cineastischer atmosphäre bewegen. sämtliche Stücke stammen aus der feder von ariel bart und zeigen ihre besondere fähigkeit, stille emotionen hörbar zu machen…
yumi ito [p, voc, com, lyriks]
v.ö.: 19. september 2025
yellowbird/enja / edel
mit «lonely island» veröffentlicht die schweizerisch-polnisch-japanische musikerin yumi ito ihr erstes soloalbum – und zugleich ihr bislang persönlichstes werk. reduziert auf stimme und klavier, zwei Instrumente, die sie seit kindheitstagen begleiten, entstand ein intimes klangporträt. Im zentrum beider instrumente steht die improvisation. als klassisch ausgebildete pianistin, die mit der suzuki-methode aufwuchs, schöpft yumi ito dabei aus einem leben des hörenden lernens.
zehn stücke, die ito über jahre hinweg begleitet haben, und die sie selbst auf eine einsame insel mitnehmen würden, erscheinen auf «lonely island» in neuem licht – songs wie «what seems to be», «old redwood tree» oder «stardust crystals», verdichtet und auf das wesentliche reduziert. was bleibt, ist pure essenz: musik voller wärme, tiefe und ehrlichkeit…
björn lücker [dr, comp]
rudi mahall [cl, b-cl]
henrik walsdorff [t-sax]
john schröder [p]
lars gühlcke [db]
v.ö.: 19. september 2025
unit / membran
es gibt nicht viele alben, die mit einem kleinen schlagzeugsolo beginnen. auf „tea for five“ wird es zum diskreten statement, mit dem der schlagzeuger und bandleader die qualitäten seines spiels aufblitzen lässt. seine rhythmik hat swing und kanten, ist differenziert und vital. und wenn nach anderthalb minuten bläser, bass und piano einsetzen, ist diese band schon mittendrin – im melodischen drive von björn Lückers musik.
in lückers acht eigenkompositionen entfaltet sich ein jazz mit lebendigem interplay, expressiven solisten, tiefer emotionalität und subtiler abstraktion. da berühren sich momente aus blues, hard bop, free jazz, charles mingus, ornette coleman oder alexander von schlippenbach, durch die das björn lücker berlin ensemble souverän hindurchmanövriert. man hat keine chance, einen klaren trennungsstrich zwischen jazztradition und zeitgenössischer adaption zu ziehen. die fünf musikerpersönlichkeiten des ensembles werden zum kollektiv, spielen mit form und freiheit wie die vögel mit dem himmel…
gisela horat [p, comp]
samuel büttiker [dr]
simon iten [db]
v.ö.: 12. september 2025
unit / membran
juni 2024. ein denkwürdiger abend im mediencampus villa ida in leipzig. gisela horat, simon iten und samuel büttiker. die erforschung der räume, in denen ton zum klang wird. einer welt überbordender, taub machender geräusche stellen sie die stille entgegen. gehen dabei bis an die grenzen des ertragbaren, bis zu jenem augenblick, an dem das herz schier springen will in erwartung des nächsten tons. stille als gestaltungsprinzip einer musik, die keiner stroboskopgewitter und künstlichen bühnennebel bedarf! einer musik, die geschichten erzählt, die anrühren und bewegen, die aus dem schweigen kommen in dieser lauten zeit, und aus dem herzen. diese beseelende spannung, die energie wird und sich mit dem ersten ton auflöst, zu dem sich ein zweiter gesellt, und ein dritter, überlegt und erspürt, mit denen allmählich form und rhythmus sich kristallisieren und klang werden. der kann ohrenbetäubend harmonisch sein und berückend dissonant. kann rhythmisch treiben wie ein herbstgewitter oder balladesk schweben wie ein frühlingshauch. oder alles zugleich und nacheinander und miteinander…
große formate, urbane kontexte, europäische gegenwartsmusik und internationale trendsetter
vom 31. august bis zum 5. september 2025 rückt die cologne jazzweek erneut in den mittelpunkt des europäischen festivalsommers für jazz und improvisierte musik. in ihrer fünften ausgabe präsentiert sie ein programm, das künstlerische innovation mit gesellschaftlicher offenheit verbindet – lokal verwurzelt und international vernetzt.
was die jazzweek im herzen der stadt so besonders macht, ist ihr urbanes, durchlässiges konzept für zeitgenössischen jazz und improvisation. dort, wo sich die stadtgesellschaft bewegt, begegnet und kultur neu denkt, entsteht raum für künstlerische produktionen, stilistische vielfalt und ästhetische erkundung. ziel ist es, aktuelle musikformen nicht nur abzubilden, sondern aktiv mitzugestalten – durch uraufführungen, eigens entwickelte projekte und neue kollaborationen. nach den rekord-besucherzahlen der vergangenen jahre rechnet das festival 2025 mit über 10.000 besuchenden.
improvisation als gegenwart – große besetzungen, neue formate
mit projekten wie marta warelis’ still life with lemons, kit downes’ dr. snap, fabian dudeks night by night, gard nilssons’ supersonic orchestra und dem jazz-indie-projekt i depend von annie bloch rücken 2025 bewusst größere formationen ins zentrum. im zusammenspiel von kölner avantgarde und europäischer szene spiegelt sich eine zentrale frage des festivals: wohin bewegt sich die improvisierte musik heute?
die cologne jazzweek versteht sich als plattform für künstlerische positionen, die regionale verwurzelung mit internationaler strahlkraft verbinden. die spielstätten stadtgarten und loft stehen exemplarisch für diesen ansatz: kreative zentren, labore für klangforschung und knotenpunkte im europäischen netzwerk improvisierter musik.
vollständiges programm: https://jazzweek.de
stephanie schoiswohl [s-ino-/s-sax, b-cl]
patrick dunst [a-/s-sax, cl, fl]
yvonne moriel [a-/s-sax, cl]
robert unterköfler [t-/s-sax, cl]
ilse riedler [t-/s-sax, cl]
florian bauer [b-sax, b-cl]
gerhard ornig [tp, flgh]
lorenz raab [tp, flgh]
dominik fuss [tp, flgh]
alois eberl [tb]
daniel holzleitner [tb]
christina lachberger [b-tb]
stephanie weninger [p]
marc mezgolits [eb]
judith ferstl [db]
marton juhasz [dr]
andrás dés [perc]
christian muthspiel [cond, voc, comp]
v.ö.: 29. august 2025
col lego
„das sprechgedicht wird erst durch lautes lesen wirksam“ sagte ernst jandl (1925-2000), der unbestritten beste interpret seiner eigenen werke. ob lautgedichte, gedichte in „heruntergekommener sprache“ oder „stanzen“ genannte vierzeiler, erst jandls sprechkunst ließ sie adäquat erklingen. um diese eindrucksvolle, unverwechselbare stimme sowie das poetische werk jandls dem vergessenwerden zu entreißen, komponierte christian muthspiel seinem unorthodox besetzten jazzorchester orjazztra vienna „vom jandln zum ernst“ auf den leib: in dem werk wird die illusion eines gemeinsamen live-auftritts mit ernst jandl erzeugt, indem dessen aus verschiedenen aufnahmen extrahierte stimme als hauptsolist agiert. muthspiel ist in den 1980er-jahren gemeinsam mit jandl aufgetreten und hat nach dessen tod die soloperformance „für und mit ernst“, in welcher er ein duo mit jandls stimme bildete, über einhundert mal aufgeführt. seine jahrzehntelange beschäftigung mit dem werk jandls, der selbst ein glühender jazzfan war, mündet hier anlässlich dessen hundertsten geburtstags in ein eineinhalbstündiges oratorium für dichterstimme und siebzehn jazzsolistinnen und -solisten. […]
21. – 24. aug 2025
vom 21. bis 24. august 2025 verwandelt sich die stadt saalfelden erneut in eine pulsierende bühne für kreative und experimentelle musik.
das line-up der mainstage wird durch drei außergewöhnliche formationen bereichert:
das trio weird of mouth (dk, usa) um saxophonistin mette rasmussen, pianist craig taborn und drummer ches smith vereint free jazz, improvisation und klangforschung. ihre energiegeladene musik bietet einen aufregenden tauchgang in die tiefen der modernen kreativität und wird als „wild“, „kraftvoll“ und „mysteriös“ beschrieben.
mit ihrem septett „breaking stretch“ (usa) kreiert die preisgekrönte mexikanische vibraphonistin patricia brennan vielschichtige avantgarde-jazz-klangwelten. ihr sound vereint rhythmischen funk, kammermusikalische nuancen und volksmusik aus veracruz. gemeinsam mit jon irabagon (sax), mark shim (sax), adam o’farrill (tr, electronics), kim cass (bass) und mauricio herrera (perc) lotet sie musikalische grenzen aus – stets mit fokus auf melodie und rhythmus, geprägt von vibraphon, marimba und percussion.
zum diesjährigen festival in saalfelden stellt laura jurd ihr neues album „rites & revelation“ vor, mit dem sie einen tiefen, experimentellen einblick in ihren jazz-folk bietet – von schottischen wurzeln bis zum louis-armstrong-klassiker „st. james infirmary“. die londoner trompeterin präsentiert dabei eine neue besetzung: die gebürtige südtiroler Bassistin ruth goller, den schottischen drummer corrie dick, den irischen „fiddler” ultan o’brien und die londoner gitarristin tara cunningham. „ihre musik ist stets lebendig, zugänglich und erinnert oft an wortlose lieder“, schrieb john fordham im guardian.
vollständiges programm unter: https://www.jazzsaalfelden.com/
die vorbereitungen für den deutschen jazzpreis 2025 laufen auf hochtouren. zum fünften mal würdigt die renommierte auszeichnung herausragende leistungen in der jazz- und improvisierten musikszene aus. die preisverleihung findet am 13. juni 2025 im kölner e-werk statt.
alune wade [bass, voc, comp]
cédric duchemann, bobby spark [keys]
kyle a. roussel [p]
weedie braimah [perc]
victor ademofe, stephen walker [tb]
harry ahonlonsou [sax]
alix goffic, herlin riley [dr]
kirk joseph [sous]
camille passeri, victor ademofe [tp]
v.ö.: 02. mai 2025
enja/yellowbid / edel
auf seinem sechsten album “new african orleans” verbindet der senegalesische bassist und komponist alune wade die rhythmen westafrikas mit afrobeat, juju und dem brass-band-sound aus new orleans. „ich erforsche eine welt, die von meinen wurzeln bis zu den verlorenen zweigen auf der anderen seite des atlantiks reicht“, erklärt er. die idee entstand 2014 beim festival “jazz à gorée”, das er organisierte. statt der üblichen musikalischen reise von den usa nach afrika wählte wade den umgekehrten weg und lud musiker aus nigeria und den usa ein, darunter talking-drummer olaore muyiwa ayandeji, percussionist weedie braimah und jazz-drummer herlin riley.
[…]
jens düppe [dr, electronics, comp]
frederik köster [tr]
lars duppler [p]
christian ramond [bass]
feat.: francesco bearzatti [sax]
v.ö.: 02. mai 2025
enja / edel
jens düppes musik ist rau und elegant zugleich. das ist eine kunst und liegt daran, dass der in köln lebende schlagzeuger sich erfrischend wenig darum sorgt, einer speziellen stilschule zuzugehören. wenn die stücke einen sound erfordern, der mehr rockt und kräftig druck erzeugt – sehr schön! wenn sie die jazzzig modernen elemente in den mittelpunkt stellen, die seine mitmusiker feinsinnig souverän beherrschen – ausgezeichnet! eenn es wiederum experimenteller sein soll, mit frei fließenden passagen oder kommunikativ ansprechenden parts – auch faszinierend! für jens düppe sind das in erster linie facetten eines größeren zusammenhangs. musik ist für ihn ein ensemble umfassend ineinander greifender energielinien. rhythmus fließt, klang strömt und sein quartett mit gast ist das medium, diese vorstellung – die eher eine haltung ist, als nur eine Idee – auch passend umsetzen zu können.
[…]
christopher dell [vib]
jonas westergaard [bass]
peter bruun [dr]
uli kempendorff [t-sax]
v.ö.: 04. april 2025
unit records / membran
in einem quartett, das die hohe kunst beherrscht, vier gedanken- und klangwelten miteinander zu verzahnen, hat jeder jeden in jedem augenblick vor ohren. überall lauert energie. viel energie wird übrigens verwendet, um energie zu kanalisieren, ihr richtung, charakter, einen fluss und konzentrierte wirbel zu geben. es gibt leise angedeutete schreie, explosionen, zuspitzungen. sie überdecken nichts. Jeder musiker, jede regung beeinflusst in jedem augenblick den weg, auf dem das, was der komponist geschrieben hat, gestaltet wird. ein ganzes entsteht. es wird hörbar, wenn es leise genug ist.
[…]
simon spiess [tenor sax]
malcom braff [piano]
bänz oester [double bass]
samuel dühsler [drums]
v.ö.: 14. februar 2025
unit records / membran
helio lässt uns so hochabheben, dass es schwierig wird wieder zu landen. vier ausnahmemusiker, simon spiess am tenorsaxophon, malcolm braff am klavier, bänz oester am kontrabass und samuel dühsler am schlagzeug, fliegen in neun songs in frei fluktuierender weise durch stile des modern jazz. in ihren arrangements, improvisationen und kniffen greifen sie mit professioneller leichtigkeit und radikaler offenheit einflüsse aus hard bop über free jazz bis hin zu contemporary jazz auf. wir kennen die musiker aus konstellationen wie “the rainmakers“, “simon spiess quiet tree” oder “braff oester rohrer“. die eigenkompositionen auf helio sind von simon spiess und bänz oester und bereits von früheren alben bekannt, erscheinen in dieser besetzung jedoch in neuem licht. der erste titel, „facing the tiger“, beschreibt den kontext der aufnahmesession ganz gut. dieser war nicht ohne herausforderungen, zeigt aber mit welch einer supergroup wir es hier zu tun haben.
[…]
alex koo [p, voc]
lennart heyndels [b]
dré pallemaerts [dr]
ambrose akinmusire [tp, tracks 1 & 9]
v.ö.: 07. februar 2025
w.e.r.f. records [news]
der pianist und komponist alex koo – sohn eines belgischen missionars, der in den siebziger jahren nach japan entsandt wurde, und einer japanischen friedensaktivistin – lässt sich in keine schublade einordnen. sei neues album «blame it on my chromosomes» ist eine introspektive reise zur selbstakzeptanz. mit zehn zutiefst persönlichen stücken ist koos neues werk weit mehr als nur ein musikalisches statement; es ist ein akt der selbsttherapie. «die einzige möglichkeit, als jazzmusiker nicht in depressionen zu verfallen, ist, sich in der musik zu verlieren», erklärt koo. «musik braucht einen sinn, der über selbstvermarktung hinausgeht. für mich geht es darum, anzunehmen, wer ich bin, und alles andere loszulassen.»
[…]
fharley rose [sax]
fabio goueva [guit]
lorenzo vitolo [keys]
jeremie krüttli [bass]
marton juhasz [dr]
v.ö.: 07. februar 2025
unit records / membran
als der mit allen wassern gewaschene schlagzeuger marton juhasz 2017 in die schweiz zog, um teil des «focusyear» programms des basler jazzcampus zu werden, ist er nicht in eine metropole gezogen, sondern in eine kuschelige kleinstadt. und trotzdem benennt er sein neues album: metropolis. was hat es damit auf sich? nun, juhasz sieht die welt durch das in unserer globalen gesellschaft immer wichtiger werdende – verbindende und gleichzeitig allzu oft auch trennende internet – zu einer einzigen grossen «metropolis» zusammenwachsen. Eine «metropolis», in der jedermann zugriff auf alle musik der welt, alle bücher der welt, alles wissen der welt hat. aus diesem gefühl eines (musikalischen) überflusses und überangebotes, und auch aus einem leichten unbehagen ob einer um sich greifenden musikalischen beliebigkeit und kurzlebigkeit heraus, hat marton juhasz auf metropolis den Versuch unternommen, seine profunde auseinandersetzung mit verschiedenen musikkulturen und zeitepochen der jazzgeschichte in eine musik fliessen zu lassen, die er als «post modern contemporary jazz fusion» definiert. und die sich als gelungenes gesamtwerk, als in sich geschlossenes album den modernen hörgewohnheiten der immer kürzer werdenden online-formaten diametral entgegensetzt.
was den klang und die instrumentierung anbelangt, hat sich juhasz die berühmten «headhunters» von herbie hancock zum vorbild genommen. die musikalische frage, die er sich dabei gestellt hat: kann dem genre «fusion» heutzutage eine zeitgemässe, eigene handschrift, eine neuinterpretation des genres hinzugefügt werden? die antwort ist: marton juhasz kann es.
marcel lüscher [t-sax, b-/cl]
thomas lüscher [p]
björn meyer [bass]
kaspar rast [dr]
v.ö.: 30. januar 2025
unit records / membran
ein erstaunlich optimistischer titel für ein doch eher melancholisch getuntes album. aber das ist vielleicht der grundsätzlichen ambivalenz der melancholie geschuldet: mit dem rücken zur fahrtrichtung der zukunft entgegen, dabei alles zurückgelassene noch lange im blick. oder es ist diese eher skandinavische klangästhetik, die das neue album des schweizer saxophonisten und holzblasgeneralisten marcel lüscher prägt.
Das muskelspiel, die ausgestellte virtuosität ist lüscher fremd. es geht um die gestaltung des klangs und die kreative suche nach der tragenden melodie. dass virtuosität hierbei durchaus auch eine rolle spielt, ist lüschers ton – ganz gleich ob auf dem saxophon oder klarinette wie bassklarinette – mit jeder note anzuhören. das sanfte aushauchen des vergangenen, das energisch-offene schreien und fauchen dem neuen entgegen. eine gestaltung mit tiefe und unmittelbarkeit.
fredrik lundin [t- & m-s sax]
makiko hirabayashi [p]
thommy andersson [bass]
bjørn heebøll [dr & perc]
v.ö.: 24. januar 2025
enja/yellowbird / edel
es ist das zehnte album in eigenregie der in tokio geborenen, seit über 30 jahren in kopenhagen grundierten pianistin und komponistin. der vorgänger meteora – in triobesetzung – war inspiriert von der gleichnamigen klösterlichen einsiedelei im nordwesten griechenlands. gifts – eingespielt im quartett der weavers – ist eine art memoir der eigenen musikalischen sozialisation.
makiko wächst in tokio und hongkong auf, erfährt eine klassisch fundierte instrumentalbildung und entdeckt am berklee college in den usa ihre liebe zum jazz. 2023 ereilt sie als mittlerweile international vielfach ausgezeichnete musikerin ein kompositionsauftrag für die händel-festspiele in halle/saale, und der entpuppt sich als musikalischer flashback. ihre Mutter war in makikos kindheit und jugend als chorsängerin in die jährlichen aufführungen des «messias» eingebunden. so steht der rückbezug auf händel in diesem album für die musikalität als gabe oder geschenk, aber vielleicht auch als eine substanz, die ihre eigenen, gelegentlich zersetzenden kräfte entfaltet.
mit „3 tage jazz“ steht saalfelden leogang ganz im zeichen der improvisierten musik
vom 24. bis 26. januar 2025 wird saalfelden leogang erneut zum treffpunkt der internationalen jazzszene: das “3 tage jazz” festival lädt zu einer musikalischen reise voller klanglicher vielfalt und kontraste ein. mit konzerten an verschiedenen orten wie dem kunsthaus nexus, der stadtpfarrkirche saalfelden, dem bergbau- und gotikmuseum leogang und dem asitzbräu mitten im skicircus saalbach hinterglemm leogang fieberbrunn, präsentiert das festival hochkarätige künstler:innen aus österreich und darüber hinaus.
claude meier [upright & e bass, comp]
marc stucki [t-sax]
urs müller [guit]
fabian m. müller [keys]
christoph steiner [dr]
v.ö.: 24. januar 2025
rabbit hill records / membran
polyphone reisen durch schroffe klanglandschaften
mit loopwheel veröffentlicht die schweizer band garn ihr zweites album und lädt zu einer klanglichen reise durch vielschichtige, lebendige soundlandschaften ein. garn ist mehr als nur eine band – sie ist ein kollektiv von musikern, die ihre einflüsse aus jazz, rock und experimenteller musik zu einer einzigartigen erzählung verweben. das ensemble, kreiert musik, die ebenso intensiv und vielschichtig ist wie die schroffe landschaft der schweizer alpen, aus der sie stammt.
eine ode an das imperfekte
im zentrum des neuen albums loopwheel steht die auseinandersetzung mit produktionsprozessen, sowohl in der musik als auch in der materiellen welt. der titel des albums verweist auf eine traditionelle methode der stoffherstellung, die geduld und handwerkskunst erfordert. ähnlich wie bei der herstellung eines fein gewobenen stoffes nimmt sich die band zeit, um klänge und texturen zu formen – manchmal ist es gerade die unregelmäßigkeit, die den charakter der musik ausmacht. so wird jeder ton bewusst gesetzt, während die entstehenden musikalischen „unperfektheiten“ das werk besonders authentisch und erdig wirken lassen.